Caesar, Treverer und Hermeskeil – ein römisches Militärlager aus der Zeit der Eroberung Galliens

Im Unterschied zum Dilettanten begeistert sich der Fachmann respektive die Frachfrau ja nicht so sehr am Großen, Sensationellen, sondern vielmehr am Detail, aus dem er respektive sie dann, mit Hilfe anderer Details und natürlich des Kontextes, hin und wieder beeindruckende Rückschlüsse ziehen kann. Das gilt bekanntlich für jede wissenschaftliche Disziplin, insbesondere jedoch für die Archäologie, da sie ja in der öffentlichen Wahrnehmung leider meist nur mit Schätzen assoziiert wird. Dass also auf den ersten Blick unscheinbare Kleinfunde durch ihren archäologischen und historischen Kontext eine herausragende Bedeutung erlangen, wird auch durch den vorliegenden Fall eindrücklich belegt.

Die Rede ist von Ausgrabungen bei Hermeskeil, einer rheinland-pfälzischen Kleinstadt im Landkreis Trier-Saarburg, die seit März 2010 vom Institut für Vor- und Frühgeschichte der Uni Mainz mit Unterstützung des Rheinischen Landesmuseums Trier durchgeführt werden und im September 2012 abgeschlossen sein sollen. Die zwar vorläufigen, indes überaus spannenden Ergebnisse der Untersuchungen wurden nun vor zwei Tagen in einer Pressemitteilung bekannt gemacht und lassen, so die Grabungsleiterin Dr. Sabine Hornung, »ein Stück Weltgeschichte erstmals archäologisch fassbar“ werden.

Was wurde bislang gefunden? Im Wesentlichen nur Reste einer ehemals aus einem Erdwall und einem vorgelagerten Graben bestehenden Wallanlage, welche die Archäologen zu einer »knapp 26 Hektar große[n] Anlage« ergänzen, Keramikfragmente und »zahlreiche Schuhnägel, die einst die Sandalen der römischen Soldaten besetzten und sich beim Laufen gelöst hatten«. Dass es sich bei der Anlage um ein römische Militärlager handelt, wurde schon früh vermutet. Die Größe und Form dieser Nägel, die in den Zwischenräumen des Steinpflasters einer Toranlage entdeckt wurden, sowie die Keramikfunde und naturwissenschaftliche Analysen lieferten nun aber entscheidende Hinweise nicht nur zur Bestimmung des Lagers, sondern auch zu dessen Datierung in die Zeit der späten Republik, also grob ins 1. Jh. v.Chr. Damit wäre es das bislang älteste, in Deutschland nachgewiesene römische Militärlager.

Besondere Bedeutung erhält das Lager aber vor allem durch seine Nähe zur »spätkeltischen Siedlung ›Hunnenring‹ bei Otzenhausen, einer monumentalen Befestigungsanlage des zwischen Rhein und Maas ansässigen keltischen Stamms der Treverer«, und den historischen Kontext. In den Jahren um die Mitte des 1. Jhs. v.Chr. fand bekanntlich die Eroberung Galliens durch römischen Truppen unter Gaius Iulius Caesar statt. Tatsächlich wurde die genannte Siedlung der Treverer »um die Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. von ihren Bewohnern aufgegeben«. Da nun in den Berichten Caesars über den Krieg von einer Revolte eines Teils der Treverer gegen Rom die Rede ist, die römische Vergeltungsfeldzüge in den Jahren 54/53 und 51 v. Chr. zur Folge hatte, wird nun vermutet, dass »mit den Entdeckungen bei Hermeskeil nun erstmals direkte archäologische Zeugnisse dieser bewegten Episode der Weltgeschichte vor[liegen]«.

Quelle: Römisches Militärlager aus der Zeit der Eroberung Galliens erhellt ein Stück Weltgeschichte, Pressemitteilung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, 28.08.2012

Siehe auch (aktualisiert am 11.09.):

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