»Es geht beim Antikenhandel um nichts Geringeres als um die Würde des Menschen«

Diese Aussage von Dr. Michael Müller-Karpe, Archäologe am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) zu Mainz, ist sicher nicht übertrieben. Raubgrabungen sind schlichtweg eine Katastrophe, nicht nur für die Forschung, sondern vor allem für die Menschen der betroffenen Länder. Durch die Zerstörung und Plünderung archäologischer Stätten verlieren sie unwiederbringlich einen Teil ihrer Geschichte, ihrer Kultur und damit ihrer Identität, ihrer Würde.

Die Motivation zu diesen Verbrechen erwächst aber in der Regel nicht aus ideologischer oder religiöser Verblendung, wie etwa im Fall der aktuellen Zerstörungen in Mali, sondern ist meist wirtschaftlicher Natur. Der Handel mit den durch Raubgrabungen gewonnenen Artefakten ist hoch lukrativ. Die mit ihm erzielten Gewinne belaufen sich weltweit schätzungsweise auf einen mehrstelligen Milliarden-Dollar-Betrag, so Müller-Karpe. »Damit hätte der Antikenhandel den Waffenhandel vom zweiten Platz der illegalen Erwerbsquellen verdrängt, übertroffen nur vom Drogenhandel.«

Von dieser Plage sind allerdings nicht nur weit entfernt gelegene, krisengeschüttelte Länder wie Irak und Syrien betroffen. Auch in Deutschland wurden und werden Raubgrabungen vorgenommen. So weiß Petra Sandles, Polizeivizepräsidentin des Bayerischen Landeskriminalamts, zu berichten, dass »nach einer Schätzung des Landesamtes für Denkmalpflege […] allein in Bayern jedes Jahr 1,2 Millionen archäologischer Objekte durch diese Grabungen verloren [gehen]. Ausgegraben werden alte Waffen, Münzen und Gefäße. Diese wandern in die privaten Sammlungen der Täter oder werden in Sammlerkreisen angeboten. Damit geht unschätzbares historisches Wissen verloren.«

Um die Öffentlichkeit noch stärker für diese Problematik und die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren sowie über die komplexen Hintergründe zu informieren, hat das RGZM 2011 in Kooperation mit dem Hessischen Landeskriminalamt, der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz, der Botschaft der Republik Irak und der Fachhochschule Mainz eine Ausstellung konzipiert. Nach den Präsentationen im Mainzer Hauptbahnhof, in der Hessischen Polizeiakademie Wiesbaden und im Badischen Landesmuseum Karlsruhe, wird die Ausstellung nun vom 12. Juli bis zum 12. August 2012 auch im Münchner Flughafen gezeigt.

Ausstellung im Münchener Flughafen (Fotos: RGZM / M. Müller-Karpe)

Quelle: Pressemitteilung des RGZMvom 12.07.2012. Pressebilder, Hintergrundmaterial und den Ausstellungsflyer finden sich auf der Website des Museums.

Zum Thema und zur Ausstellung s. auch die folgenden Beiträge:

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